Das Familienalbum der Porzelliner.

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Die Porzellankultur und die freie Kunst

 

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100 Hände machen Porzellan – ein alter Porzellinerspruch und zugleich der Ausgangspunkt dieser Ausstellung

100 Hände

100 Hände- das sind 50 Portraits von Menschen, die über Jahrzehnte hinweg in den unterschiedlichsten Bereichen der Porzellanherstellung gearbeitet haben und noch arbeiten.

Menschen mit eigenen Geschichten, Erfahrungen und Erinnerungen. Manche davon außergewöhnlich und überraschend, andere still, beinahe unscheinbar – und gerade darin von besonderer Tiefe. Jedes Porträt erzählt von einem eigenenWeg.

Von besonderen Begegnungen und großen Momenten ebenso wie von jahrzehntelanger Beständigkeit, täglicher Arbeit und einer tiefen Verbundenheit mit dem Material Porzellan.

Die Fotos zeigen Persönlichkeiten voller Charakter, Stolz, Wärme und Haltung. Menschen, die man kennt. Und andere, die im Hintergrund stehen und doch unverzichtbar sind für das, was entsteht.Diese Ausstellung versteht sich nicht als vollständige Dokumentation einer Branche.

Sie ist vielmehr eine persönliche Annäherung an die Menschen hinter dem Porzellan – an ihre Geschichten und ihre besondere Verbindung zu einem Werkstoff, der Generationen begleitet hat. So entsteht ein Portrait von Arbeit und Erinnerung. Und von den vielen Menschen, die diese Branche so sehr geprägt haben.

Helmut Drexler (†)

Fotografiert in seinem Atelier im Porzellanikon Selb

Geboren 1927 in Selb als Sohn eines Porzellanmalers. Somit begann auch Helmut Drexler eine Ausbildung zum Porzellanmaler. Es folgt der Kriegsdienst in der Wehrmacht und die Gefangenschaft in Polen. Ihm gelang dann später eine große Karriere als eines der wenigen „Eigengewächse“ im Bereich Design bei der damaligen Rosenthal AG. Sein Dekor „Goldfeuer“ wurde zum Verkaufsschlager. Im Ruhestand war er noch über 20 Jahre als freischaffender Künstler mit Atelier im Porzellanikon tätig. Seine Werke die geprägt waren von experimenteller Freude im Umgang mit dem Werkstoff Porzellan, sind allgegenwärtig in Selb.

Hans Wilhelm Seitz

Fotografiert in seinem Atelier in Marktredwitz

Geboren 1945 in Anten bei Berge, heute Landkreis Landkreis Osnabrück.

1958 zog die Familie nach Marktredwitz in Oberfranken. 1959 begann er eine Lehre zum Kerammodelleur bei den Rosenthal Technischen Werken in Marktredwitz.

Ab 1962 besuchte er die Staatlich Höhere Fachschule für Porzellan in Selb und absolvierte dort die Ausbildung zum staatlich geprüften Formenentwerfer. Nach dem Abschluss der Fachschule leistete er 1965 seinen Dienst bei der Bundeswehr.

Von 1966 bis 1968 war er Mitarbeiter in der Abteilung Formgestaltung der Ford-Werke in Köln. 1968 kehrte er zur Rosenthal Porzellan AG zurück und arbeitete von 1968 bis 1972 als Modelleur in Blackheath, Kapstadt.

1972 kam er nach Selb zurück und wurde im Rosenthal Design-Studio angestellt. Von 1973 bis 1975 arbeitete er im Atelier von Hans Theo Baumann.1975 gründete er ein eigenes Atelier in Marktredwitz. Seine Entwürfe für Arzberg, Schönwald und Erlus, einem Hersteller von Dachziegeln, werden bis heute produziert und wurden mit Red Dot, IF und German Design Award ausgezeichnet.

Hans Bauer

Fotografiert in seiner Werkstatt in Tröstau

Geb. 1939 in Tröstau. Sein künstlerisches Talent zeigte sich schon in der Grundschule. Er begann eine Ausbildung zum Porzellanmaler bei der Porzellanfabrik Retsch in Wunsiedel.Seine berufliche Reise brachte ihn von Staffelstein (Fa. Kaiser) über Landstuhl, wo Rosenthal eigens für Flüchtlinge aus Schlesien und den anderen Ostgebieten ein Werk errichtet hatte, auch nach Ludwigsburg und sogar an die Kunst-Akademie nach Düsseldorf. Nach der Rückkehr ins Fichtelgebirge gründete er eine Porzellanmalschule die ihm internationales Renommee einbrachte und ihn sogar für einige Zeit nach Japan und Taiwan brachte. Er ist bis heute noch in seinem Beruf tätig.

Brigitte Heinrich

Fotografiert in ihrer Wohnung in Selb mit dem Abschiedsgeschenk ihrer Kollegen, einer Sonderanfertigung.

Geboren in Selb, stamme ich aus einer Familie mit langer Porzellantradition. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und Sprachstudien sammelte ich internationale Erfahrungen in Paris, London sowie beim Auswärtigen Amt und an der Deutschen Botschaft in Mexiko. Nach 25 Jahren im Ausland kehrte ich nach Selb zurück und arbeitete bei Rosenthal im Marketing und Design. Heute bin ich im Ruhestand und führe Besucher mehrsprachig durch das Porzellanikon in Selb-Plößberg und Hohenberg.

Helmut Sättler

Fotografiert in seiner Wohnung, am ehemaligen Schreibtisch von Dr. H. Gretsch

Geboren 1950 in Arzberg. Lehre 1966 bei Rosenthal Technik in Marktredwitz, später Tätigkeit im Rosenthal Studiohaus Nürnberg. 1970 Wechsel zur Porzellanfabrik Arzberg, ab 1984 Prokura. Ab 1996 Geschäftsführer bei SKV-Schirnding GmbH, die später die Marke Arzberg von der Winterling AG übernimmt. Ab 2003 Gesellschafter zu gleichen Teilen mit dem Designer Peter Schmidt. 2011 Verkauf des Unternehmens an Rudigier & Partner.

Wolfgang Fassbender

Fotografiert im wiederaufgebauten Atelier von Björn Winblad im Porzellanikon Hohenberg

Startete seine Karriere bei Rosenthal im Jahr 1967 als Markenbildberater in Stuttgart. Ab 1977 Umzug in die Zentrale nach Selb. Er gestaltete alle wichtigen Ausstellung und Präsentationen für Rosenthal über Jahrzehnte. Ihm ist es zu verdanken, dass es im Porzellanikon das originale Atelier von Björn Winblad gibt, mit dem er eine lebenslange Freundschaft pflegte.

Hermann Bocek

Fotografiert in seiner Wohnung 

Geboren 1938 in Selb. Er begann im Alter von 14 Jahren in der Nachkriegszeit 1952 eine Ausbildung zum Modeleur bei der Porzellanfabrik Krautheim. Nach einer weiterführenden Ausbildung an der „Höheren Fachschule für Porzellan und Keramik“ kehrte er zu Krautheim zurück. Im Jahr 1965 wechselte er zu Rosenthal wo er bis zum Renteneintritt blieb. Ohne ihn hätte es viele Rosenthal Kunstobjekte in der uns bekannten Form nicht gegeben, denn er war der Design-Modeleur, der zahlreiche Entwürfe der Porzellan unerfahrenen Künstler wie Fuchs, Morandini, Paolozzi, oder Wiinblad produktionsgerecht umsetzte. Sein Meisterstück war die „Zauberflöte“ die massgeblich seine Handschrift trug. Mit vielen Künstlern hatte er ein sehr persönliches und freundschaftliches Verhältnis.

Wolfgang Baumgärtel

Fotografiert in seinem Atelier bei der Manufaktur Flügel, Schönwald.

Wolfgang Baumgärtel, geboren in Selb, führte die „Porzellinertradition“ in seiner Familie weiter. Bereits drei Generation zurück waren die Baumgärtels Porzelliner. Wolfgang studierte Keramtechnik am Böttcher-Institut in Selb, war dann fast 20 Jahre bei Rosenthal als Keram-Techniker tätig, danach von 1979 bis 1981 an der Fachschule in Selb. Im Anschluß 20 Jahre bei Villeroy & Boch.

Barbara Flügel

Fotografiert in der Galerie Louis Lommer in Schönwald

Einzigartige Tafelgeschirre wie das Drachengeschirr oder zahlreiche Brunnenobjekte machten die in Naila geborene Künstlerin Barbara Flügel bekannt.Zunächst machte Barbara Flügel ihre Ausbildung an der Porzellanfachschule in Selb. Nach Ihrem Abschluss folgte die Selbstständigkeit als erfolgreiche Designerin mit eigener Porzellanmanufaktur in Selb und Schönwald.

Mit Ausstellungen unter anderem in China, Dubai, Singapur, Moskau und Paris folgten auch internationale Projekte und Erfolge in der ganzen Welt.Nach vielen Jahren im Design und in der seriellen Manufakturproduktion konzentriert sie sich heute ganz auf ihre freie und außergewöhnliche Kunst.Mit hoher Sensibilität, frei von Materialzwängen und doch meist mit ihrem Lieblingsmaterial Porzellan entstehen moderne Objekte, Unikate oder streng limitierte Auflagen. Ihre Faszination sind weiterhin großformatige Projekte, wie Brunnen, Wandgestaltungen und skulpturale Werke.

Neben ihren Arbeiten im öffentlichen Raum finden Sie aktuelle Arbeiten in der Galerie Louis Lommer in Schönwald.

Peter Siemssen (†)

Fotografiert in seiner Stiftung für Keramik in Ratzbek

Geb. 1936, war er ab den 1980iger Jahren als Vorstand für die Rosenthal AG u.a. im internationalen Einkauf tätig. Nach seiner Zeit bei Rosenthal gründete er in Ratzbek/ SH seine Stiftung zur Förderung keramischer Kunst im Jahr 2001. Während seines Berufslebens hat Peter Siemssen alle Facetten der Keramik und des Porzellans kennen gelernt und sein Know-how und seine wertvolle Sammlung in die Stiftung eingebracht. Die Begeisterung für Keramik im Allgemeinen und besonders der künstlerischen hat er während seiner Tätigkeit für die Rosenthal AG und der Zusammenarbeit mit Philip Rosenthal entwickelt. Die Sammlung beinhaltet Arbeiten bedeutender Keramik-Künstler wie z.B. Gilbert Portanier, Tatsuzo Shimaoka, Bjørn Wiinblad, Sonngard Marcks.

Joachim Reuer

Fotografiert vor der Gropius Fabrik Rotbühl in Selb

Joachim Reuer, geboren 1955 in Selb, prägte über viele Jahre maßgeblich das Werk Rothbühl der Rosenthal AG. Nach seinem Studium an der heutigen Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm begann er 1986 als Diplom-Ingenieur für anorganische, nichtmetallische Werkstoffe seine Laufbahn im Brennbetrieb.

Schon bald übernahm er zusätzlich die Gießerei, bevor er Mitte der 1990er Jahre die Gesamtleitung des Weißbetriebes im Werk Rothbühl übernahm. In dieser Funktion leitete er eine umfassende Modernisierung: Aus einer traditionell geprägten Porzellanproduktion mit Tunnelöfen und Handarbeit entstand ein hochautomatisiertes Werk mit isostatischen Pressen, Hochdruckgussanlagen, Robotik, fahrerlosen Transportsystemen und Schnellbrandöfen.

Parallel dazu wurde die Produktion strategisch neu ausgerichtet. Das Werk Rothbühl spezialisierte sich auf Hohlgussartikel sowie ovale Platten und Schüsseln, während Teller und Becher in das Schwesterwerk nach Speichersdorf verlagert wurden.

Für seine entscheidende Rolle bei der technischen Erneuerung und Neustrukturierung der Fertigung wurde er im März 1999 als „Rosenthaler des Monats“ ausgezeichnet.

2023 ging er nach über 37 Jahren bei Rosenthal in den wohlverdienten Ruhestand.

Marcello Morandini

Fotografiert in der Fondazione Marcello Morandini in Varese/It.

Marcello Morandini, geboren 1940 in Mantova, war einer der erfolgreichsten und produktivsten Designer von Rosenthal. Er ist der wohl prominenteste Vertreter der konkreten Kunst in Italien. Ihn verband eine intensive Freundschaft mit Phillipp Rosenthal, für den er ab Ende der 1970iger Jahre arbeitete. Als Produktgestalter, aber auch als Architekt. Das Spiegelhaus in Selb ist das weithin sichtbare Werk seiner Arbeit für Rosenthal und zugleich Symbol für sein interdisziplinäres Schaffen.

Prof. Eugen Gomringer (†)

Fotografiert vor dem Kunsthaus Rehau

Eugen Gomringer war die Schnittstelle zu den berühmten Künstlern, die für Phillipp Rosenthal gearbeitet haben bzw. arbeiten sollten. Seine internationalen Kontakte in die Kunstwelt waren ein Schatz für die Entwicklung von Rosenthal ab den 1960er Jahren. Seine Zugreise nach Barcelona zu Salvador Dali mit einem Geldkoffer der 50 000 Dollar „Besprechungshonorar“ für Dali enthielt, war wohl sein schillerndstes Erlebnis in dieser Epoche. Nach seiner Zeit bei Rosenthal gründete er das Institut für konkrete Poesie im Kunsthaus Rehau. Auch hier schaffte er es, namhafte Künstler für Ausstellungen zu gewinnen.

Wolf Karnagel

Fotografiert in seiner Atelier-Wohnung in Berlin

Die einen gestalten eine Form als Produkt des reinen Verstandes und geraten leicht in die Nähe einer Ideologie. Die andern suchen Natürlichkeit und biedern sich Formen an, welche die Natur von vornherein überzeugender hervorbringt. Es gibt wenige Designer wie Wolf Karnagel, die eine dritte Lösung wissen: Sie arbeiten mit der Imagination, welche naturgesetzliche Formen mit den Produktionsmitteln und Gebrauchsgewohnheiten des Menschen verbindet. Daraus entstehen die „guten Formen‘: die das gute Funktionieren im Gebrauch mit der psychischen Qualität des Wohlgefallens in sich vereinigen.

Wolf Karnagels Design gewinnt unmittelbar durch das Gefallen an den Formen, welche Auge und Hand wahrnehmen. Bis zur kleinsten Einzelheit sind seine Formen empfunden, gleichzeitig aber auch praktisch im Gebrauch, praktisch in der Kombination mit anderen Formen und praktisch in der dauernden Verwendung.

Wolf Karnagel gestaltet Kulturgüter unserer Zeit, deren Anspruch darin besteht, auf hohem Niveau der Form in selbstverständlicher Weise zu dienen.

*Quelle: Eugen Gomringer

Clifford Klinger

Fotografiert in der Manufaktur Flügel in Schönwald

Clifford Klinger absolvierte eine Lehre als Porzellanmaler bei Fürstenberg von 1983 bis 1987.  Von 1990 bis 1993 besuchte er die Fachschule in Selb und war danach als Restaurator im Porzellanikon bis 2007 tätig. Im Anschluß Tätigkeit in der Manufaktur Flügel. Danach Wechsel in die Autoindustrie.

Horst Weidner

Fotografiert im Fotostudio Jahreiß in Hohenberg

Horst Weidner, geboren in Selb, begann 1953 eine Ausbildung zum Kunstmaler bei Hutschenreuther unter Erich Höfer, einem renommierten Künstler. Dort blieb er bis 1967.

Im Anschluss wechselte er zur Gewerkschaft IG Chemie, wo er 1972 Gewerkschaftssekretär wurde und die Interessen der Porzelliner vertrat, genauso wie als stellvertretender Aufsichtsrat bei der Rosenthal AG.

Von 2008 Bis 2014 war er Stellvertreter des Landrats im Landkreis Wunsiedel i.F. und danach Seniorenbeauftragter des Landkreises

Peter Zeiner

Fotografiert vor dem ehemaligen Designstudio von Rosenthal in Selb

Peter Zeiner (geb. 28. April 1955 in Friedland, Böhmen) trat 1984 als Dekorentwerfer in das Design Studio von Rosenthal ein.Über fast vier Jahrzehnte prägte er die Dekorentwicklung als Schnittstelle zwischen Design, Technik und Produktion. Mit der Einführung von CAD 1993 übernahm er eine Schlüsselrolle in der Digitalisierung und wurde 1995 mit dem Rosenthal Wanderpreis ausgezeichnet. Er betreute Kollegen im digitalen Bereich und arbeitete mit zahlreichen internationalen Designern an der technischen Umsetzung ihrer Entwürfe. Diese Liste liest sich wie das who is who der internationalen Designwelt:

Dorothy Hafner, Sharon Yodjaja (Yang), Patricia Urquiola, Frank Stella, James Rizzi, Otto Piene, Platt & Young, Bethan Laura Wood, Marcello Morandini, Johan van Loon, Tom Wesselmann, Queensberry/Hunt, Ambrogio Pozzi, Gilbert Portanier, Otmar Alt, Eduardo Paolozzi, Jasper Morrison, Jan van der Vaart, und vielen weiteren.

Seine Tätigkeit war geprägt von interdisziplinärer Zusammenarbeit sowie der Mitwirkung an vielfältigen Sonderprojekten. 2023 ging er nach fast 40 Jahren bei Rosenthal in Rente.

Manuela Wächter

Fotografiert auf dem Gelände der ehemaligen Porzellanfabrik Retsch in Wunsiedel

Manuela Wächter stammt aus einer Porzellinerfamilie. So war es fast schon logisch, dass sie 1983 als 15 Jährige eine Lehre als Porzellanmalerin bei der Firma Retsch in Wunsiedel begann. Sie war bis 1996 dort tätig. Durch die wirtschaftlichen Probleme des Unternehmens wechselte sie die Branche und startete eine Umschulung zur Bauzeichnerin.

Sonja Lorenz

Fotografiert auf dem Gelände der ehemaligen Porzellanfabrik Retsch in Wunsiedel

Sonja begann 1984 eine Tätigkeit in der Packerei der Porzellanfabrik Retsch. Sie arbeitete sich hoch in die Postabteilung, zuständig für Bestellungen von Privatkunden, dann Qualitätskontrolle und interne Logistik. Nach dem Ausscheiden 1989 begann sie eine Umschulung zur Altenpflegerin.

Jörg Bauriedel

Fotografiert im Werk Rotbühl mit seinem Liebelingsprodukt „Squoll“

40 Jahre Rosenthal – und wenn ich zurückblicke, würde ich diesen Weg genauso wieder gehen.

1986 begann für mich mehr als nur ein neuer Lebensabschnitt. Es begann eine Reise, die mich geprägt, begleitet und wachsen lassen hat – beruflich wie persönlich.

Vier Jahrzehnte voller Herausforderungen, Veränderungen, besonderer Begegnungen und unvergesslicher Momente liegen hinter mir. Gemeinsam mit großartigen Kolleginnen und Kollegen durfte ich lernen, lachen, gestalten und vieles bewegen.

Rosenthal war für mich nie nur ein Arbeitsplatz. Es war über all die Jahre hinweg auch ein Stück Heimat.

Die Leidenschaft für Qualität, Design und echtes Handwerk hat mich jeden Tag begleitet und begeistert. Vor allem aber sind es die Menschen, die diese Zeit so besonders gemacht haben.

Ich bin von Herzen dankbar für das Vertrauen, die Wertschätzung und all die gemeinsamen Erinnerungen. Und ich bin stolz darauf, seit 40 Jahren Teil dieser Geschichte zu sein.

Auf Vergangenes voller Erinnerungen – und auf alles, was noch vor uns liegt. ✨

Karlheinz Anders

Fotografiert vor dem Portal der Fachschule in Selb

Geboren 1934 in Schweidnitz (Schlesien), heute Swidnica, kam 1945 als Flüchtlingskind nach Oberfranken und begann 1949 eine Ausbildung als Porzellanmaler in der Porzellanmanufaktur Neukirchner in Waldershof. Ab 1952 besuchte er zweieinhalb Jahre (5 Semester) die werkkünstlerische Abteilung/Malerei in der „staatlich höhere  Fachschule für Porzellan“  (die damalige offizielle Bezeichnung) in Selb. Direktor war damals Rudolf Lunghard, die Abteilung leitete Richard Gutte.

Nach der Fachschulzeit erste berufliche Anstellung (1 1/2 Jahre) in Düsseldorf bei der Porzellanmanufaktur Helmut Krüger als Leiter der Malereiabteilung.

Beruflicher Wechsel nach Windischeschenbach zur Porzellanfabrik „Eschenbach“ des Konzerns „Winterling“ als Dekorentwerfer.Nach einem Jahr Wechsel in die Porzellanfabrik „Winterling“ nach Röslau 1960.

1963 Wechsel nach Mitterteich zur „Porzellanfabrik Zehendner, später Mitterteich AG. Dort war er 25 Jahre tätig als Dekorentwerfer. Regelmäßige Besuche der internationalen und nationalen Ausstellungen und Messen in Italien/Mailand, Schweden, Holland, England, Brüssel.

1988 beruflicher Wechsel zu Firma „Kepo“ in Wunsiedel (Inhaber Richard Franz) als Designer für Porzellan, Fliesen und Keramik. Es folgten interessante, vielseitige und neue Tätigkeiten, in der neue Techniken erlernt werden mussten (Airbrush und großformatiges Arbeiten). Auftraggeber war unter anderem Villeroy & Boch.

1994  vorzeitiger Ruhestand aufgrund eines Augenleidens.

Reinhard Wiedenbeck

Fotografiert in seiner Werkstatt in Selb

Der 1945 in Rehau geborene Künstler lebt und arbeitet in Selb. Erste künstlerische Impulse erhielt er als Gaststudent an der Akademie für angewandte Kunst in Wien. Es folgte eine Ausbildung an der Staatlichen Höheren Fachschule für Porzellan in Selb sowie eine Tätigkeit als Entwerfer in der Porzellanindustrie.

Ab 1974 war er als Werbeleiter bei Schönwald Hotelporzellan tätig. Seit 1978 entstehen seine ersten Deformations-Objekte, die einen zentralen Bestandteil seines künstlerischen Schaffens bilden. Seit 1993 arbeitet er freischaffend.

Seit 1970 ist der Künstler mit Ausstellungen im In- und Ausland vertreten, darunter beim Concorso Internazionale della Ceramica d’Arte in Faenza (Italien), im Museum der Deutschen Porzellanindustrie in Hohenberg an der Eger, im Landesmuseum Oldenburg sowie in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden im Zwinger. Weitere Ausstellungen fanden unter anderem in der Galerie Europa, in Tulsa (Oklahoma, USA), in der Galerie Kulturgut sowie im Raum für Kunst in Fürth statt.

Prof. Dr. Jürgen Heinrich

Fotografiert in seiner Wohnung in Selb

Nach einem zweijährigen Praktikum bei der Firma Hutschenreuther und dem Studium am Johann Friedrich Böttger Institut in Selb und an der Technischen Universität Berlin promovierte Jürgen Heinrich 1979 am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln. Als Universitätsprofessor für Ingenieurkeramik an der Technischen Universität Clausthal war er Präsident der Deutschen und der Europäischen Keramischen Gesellschaft, Geschäftsführer der International Ceramic Federation und Visiting Professor an der Chinese Academy of Sciences. Seit seinem Renteneintritt im Jahr 2014 lebt er wieder in seiner Geburtsstadt Selb.

Eva Heinrich

Fotografiert in ihrer Wohnung in Selb

Seit ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau von 1967 bis 1970 war die in Selb geborene Eva Heinrich eng mit der Firma Rosenthal verbunden. Kurz nach ihrer Ausbildung arbeitete sie ein Jahr bei der Rosenthal Skandinavien Försäljnings AB in Stockholm. In den achziger Jahren war sie als Sachbearbeiterin in der Verkaufsleitung der Rosenthal Einrichtung in Selb und im Studiohaus in Bonn tätig.

Wolfgang Stefan

Fotografiert in seiner Werkstatt in Vielitz

Geboren 1961 in Vohenstrauß, wuchs Wolfgang Stefan in Selb auf. Nach einer mit Auszeichnung abgeschlossenen Ausbildung zum Kerammodelleur bei Hutschenreuther wurde er früh in die Kunstabteilung übernommen und realisierte bereits während der Lehrzeit eigene Entwürfe.

Von 1983 bis 1989 studierte er Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, wurde 1985 zum Meisterschüler ernannt und schloss sein Studium mit Diplom ab. Parallel blieb er durch ein Stipendium und praktische Tätigkeit eng mit Hutschenreuther verbunden.

Seit 1989 ist er als freischaffender Bildhauer und Dozent an der Staatlichen Fachschule für Steintechnik und Gestaltung in Wunsiedel tätig. Für Hutschenreuther sowie später für namhafte Porzellan- und Glashersteller wie Rosenthal, Meißen und Fürstenberg entwarf er zahlreiche Figuren und Serien.

Seine Arbeiten im Bereich Kunst am Bau wurden mehrfach ausgezeichnet und im öffentlichen Raum realisiert. Bis heute steht für ihn die besondere ästhetische Qualität des Materials Porzellan im Mittelpunkt seines Schaffens.

Kai Hammerschmidt

Fotografiert auf dem Gelände seiner Firma in Schönbrunn bei Wunsiedel

Geboren 1966 in Selb, wurde Kai Hammerschmidt früh von der gestalterischen Kraft seiner Heimat und der traditionsreichen Porzellanindustrie geprägt.

Seine Ausbildung zum Modelleur bei Hutschenreuther in Schönwald ab 1983 legte das handwerkliche Fundament. Anschließend vertiefte er sein gestalterisches Können an der Designfachschule in Selb, die er nach vier Jahren erfolgreich als Produktdesigner abschloss.

Sein weiterer Weg führte ihn zum renommierten Modelleur Werner Uhl, wo er nicht nur seine Fertigkeiten weiterentwickelte, sondern auch Kenntnisse zum Figurenmodelleur erlangte – ein entscheidender Schritt hin zu seiner späteren künstlerischen Handschrift.

Bereits 1990 beteiligte er sich auch wirtschaftlich an der Porzellanmanufaktur „Werner Uhl Design“, bevor er 1992 gemeinsam mit Klaus Gohl mit unternehmerischem Mut und klarer Vision das Unternehmen KaGo & Hammerschmidt in Wunsiedel gründete.

Was als Idee begann, entwickelte sich zu einer erfolgreichen Verbindung aus Handwerk, Design und Inszenierung: hochwertige Kunstfelsenlandschaften, atmosphärische Wandmalereien sowie naturgetreue Textilpflanzen, Palmen und Bäume.

Seit 2001 ist das Unternehmen Marktführer in Deutschland und realisiert Projekte weltweit.

Kai Hammerschmidt steht für die Verbindung aus traditionellem Können, gestalterischer Leidenschaft und unternehmerischer Konsequenz – mit dem Anspruch, Räume zu schaffen, die Menschen berühren und begeistern.

Erwin Badmüller

Fotografiert vor der der Fachschule in Selb

Am 1. September 1971 begann ich meine Ausbildung als Figurenkerammaler bei der Porzellanfabrik W. Goebel in Rödental, die damals ihr 100-jähriges Jubiläum feierte und vor allem für die erfolgreichen Hummelfiguren bekannt war. In den 1970er Jahren beschäftigte das Unternehmen bis zu 1.600 Mitarbeiter.

Während meiner Ausbildung wurde ich mehrfach ausgezeichnet, übernahm zusätzliche Aufgaben und schloss meine Prüfung 1973/74 mit „Sehr gut“ ab. Anschließend arbeitete ich in der angesehenen Mustermalerei.

1974 begann ich eine Weiterbildung an der Fachschule für Porzellan in Selb, die ich 1977 ebenfalls mit „Sehr gut“ abschloss und zusätzlich den Titel „Staatlich geprüfter Dekorentwerfer“ erwarb.

Im selben Jahr kehrte ich zu Goebel zurück und arbeitete als Assistent des Betriebsleiters. Parallel studierte ich an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, unterstützt durch ein Stipendium meines Arbeitgebers.

1983 wurde ich Fachlehrer an der Staatlichen Fachschule für Porzellan und übernahm eine Abschlussklasse. Neben meiner Lehrtätigkeit setzte ich mein Studium fort und wurde 1982 zum Meisterschüler ernannt.

1992 erhielt ich die Funktion des Fachbetreuers für künstlerische Gestaltung, und im Jahr 2000 wurde ich stellvertretender Schulleiter am Staatlichen Berufsbildungszentrum für Keramik.

Jitka Jung-Männl

Fotografiert auf dem Gelände der ehemaligen Porzellanfabrik Heinrich in Selb

Jitka wurde in Aš (Tschechien) geboren und ist mit ihrer Familie 1969 nach Deutschland übergesiedelt. Hier erlernte sie die deutsche Sprache und begann eine Ausbildung zur Damenschneiderin. Vier Jahre später legte sie erfolgreich die Meisterprüfung ab und war anschließend weiterhin in diesem Handwerk tätig.

Danach arbeitete sie 11 Jahre bei der Firma Heinrich – Villeroy & Boch in verschiedenen Abteilungen bis zur Schließung des Unternehmens im Jahr 2004. Im Anschluss war sie 16 Jahre im Porzellanikon als Besucherbetreuerin beschäftigt.

Peter Tröger

Fotografiert im Porzellanikon Selb in der ehemaligen Giesserei

Jahrgang 1965, begann ich 1980 eine Lehre bei der Firma Heinrich Porzellan zum Gipsformengießer und Modelleinrichter. Nach der Bundeswehrzeit erweiterte ich meine Ausbildung zum Industrie-Keramiker.

„Die Frage, was ich einmal werden möchte, hat sich bei mir nie gestellt. Der damalige Werksleiter bei der Firma Heinrich Porzellan hatte mich schon vor Ende meiner Schulzeit kontaktiert und mich gefragt, ob ich mir eine Lehre in der Modellabteilung vorstellen könnte. Da meine ganze Familie in der Porzellanherstellung beschäftigt war, mein Großvater Porzellanmaler, mein Vater Ofenführer, meine Mutter Porzellangießerin und Verputzerin und auch meine Geschwister Porzelliner waren, fiel es mir nicht schwer, diesen Beruf in dritter Generation weiterzuführen.“

Nachdem die Firma Heinrich-Porzellan geschlossen wurde, konnte ich in weiteren Firmen Erfahrungen sammeln, unter anderem bei der Firma Winterling und bei König Porzellan.

Seit 2014 bin ich im Porzellanikon tätig.

Eva Schricker

Fotografiert im Porzellanikon Selb im ehemaligen Atelier von Hans Achziger

Eva Schricker wurde 1966 in Marktredwitz geboren und wuchs in Waldershof auf.
Im Jahr 1984 begann sie im Alter von 18 Jahren eine Lehre als Kerammodelleurin bei der Firma Thomas in Waldershof.

Nach Abschluss ihrer Ausbildung besuchte sie von 1987 bis 1990 die Fachschule in Selb. Anschließend arbeitete sie ab 1990 als Modelleurin bei der Porzellanfabrik  Zehendner in Tirschenreuth.

Seit 2019 ist Eva Schricker im Porzellanikon in Selb als Besucherbetreuerin tätig.

Thomas Steidl

Fotografiert vor dem Kopfbau der ehemaligen Porzellanfabrik Heinrich

Der Berufsweg im „Porzellan“ begann für Thomas Steidl mit Ferienarbeit bei Winterling Marktleuthen ab 1975 in der Großgeschirrdreherei und führte ihn über ein BWL Studium, ein Praktikum bei Rosenthal, zum ersten „Job“ bei der damaligen Draloric, heute Vishay. Ab 1990 Leiter der Personal- und Arbeitswirtschaft bei Heinrich Porzellan / Villeroy & Boch. Er begleitete alle schwierigen Personal- Abbaumaßnahmen bis zur Schließung des Werkes 1999. Nach der Produktionsstilllegung war er maßgeblich verantwortlich für die Entwicklung und Weiterführung des ehemaligen Fabrikgeländes zum „Factory In Outlet Center Selb“ im Jahr 2001, auf dem dann wieder 140 Menschen einen Arbeitsplatz gefunden haben.

Robert Steidl

Fotografiert in seiner Galerie in Selb

Am 16. März 1953 wurde Robert Steidl in Marktleuthen als erstes von neun Kindern geboren.

Wenn man im Fichtelgebirge aufwächst bietet sich vor allem die Porzellanindustrie an, wenn man einen kreativen Beruf erlernen möchte. So begann Robert Steidl 1971 bei der Firma Heinrich Porzellan eine Lehre als Modelleur. Im Sommer 1972 konnte er das interessante Angebot der Firma Winterling in Marktleuthen, die einen Dekorentwerfer suchte, nicht abschlagen. Ein Messebesuch in Hannover am Stand der „Staatlichen Fachschule für Porzellan“ in Selb, war ausschlaggebend, dass sich Robert Steidl – beindruckt von den Exponaten – für eine Ausbildung von 1977 bis 1981 zum „Staatlich geprüften Dekorentwerfer“ an der Fachschule in Selb entschied.

1981 bestand Robert Steidl die Aufnahmeprüfung an der „Akademie der Bildende Künste“ in Nürnberg und studierte Freie Malerei und Freie Grafik bei den Professoren  Clemens Fischer und Georg Karl Pfahler. Ein Stipendium und die Tätigkeit als Dekorentwerfer in den Semesterferien sorgten für eine gewisse finanzielle Sicherheit.

1986 erhielt er eine Anfrage von der Fachschule für Porzellan in Selb. So wurde er Fachlehrer für Zeichnen und übte diesen Beruf bis 2019 aus.

Dagmar Drescher

Fotografiert am Fotoset im Studio Jahreiß

Nach meiner Ausbildung an der Staatlichen Berufsfachschule für Porzellan in Selb, die ich 1984 als staatlich geprüfte Kerammodelleurin und Formenentwerferin abschloss, sammelte ich bereits früh praktische Erfahrungen in der Porzellanindustrie. Erste prägende Einblicke in die Akkordarbeit erhielt ich während meiner Ferienarbeit bei Heinrich Porzellan sowie anschließend in der Porzellanfabrik Schönwald, wo ich an Tellerroller und Tellerpresse tätig war.

1985 begann ich meine berufliche Laufbahn als Kerammodelleurin in der Porzellanfabrik Schönwald. In dieser Funktion war ich bis 1992 tätig und konnte meine fachlichen Fähigkeiten kontinuierlich weiterentwickeln. Ein besonderer Meilenstein war 1990 der Entwurf der Buffetkollektion „Tangram“.

Parallel zu meiner Tätigkeit übernahm ich von 1987 bis 1991 die Leitung des innerbetrieblichen Unterrichts für Auszubildende zum Industriekeramiker und Modelleinrichter und gab mein Wissen und meine Erfahrung an den Nachwuchs weiter.

Ab 1993 wechselte ich in die Produktentwicklungsabteilung, in der ich bis 1997 tätig war und meine gestalterischen und konzeptionellen Kompetenzen weiter ausbauen konnte. Anschließend war ich bis 2020 in der Marketingabteilung desselben Unternehmens beschäftigt. Dort brachte ich meine langjährige Erfahrung aus der Produktion und Entwicklung ein und konnte so zur erfolgreichen Positionierung der Produkte beitragen.

Mein Arbeitsverhältnis endete 2020 im Zuge von Strukturmaßnahmen, durch die mein Arbeitsplatz entfiel.

Hans Dürl

Fotografiert vor dem Gelände der ehemaligen Porzellanfabrik Heinrich Winterling in Marktleuthen

Hans Dürl, geboren 1955 in Arzberg, war von 1971 bis 2010 bei der Firma Heinrich Winterling in Marktleuthen tätig. Seine berufliche Laufbahn begann er als Packer, später arbeitete er als Schmelzer im Dekorbrand sowie an den Glattbrandöfen.

Ab 1985 engagierte er sich zusätzlich im Betriebsrat, dem er bis zur Schließung des Unternehmens im Jahr 2010 angehörte.

Von 2011 bis 2019 war Hans Dürl als Besucherbetreuer im Porzellanikon in Selb beschäftigt. Auch heute ist er dort noch gelegentlich bei Führungen und Schulprogrammen aktiv. Seine Zeit im Museum bezeichnet er als die schönsten Jahre seines Berufslebens.

Rosi Kaufmann

Fotografiert vor dem Gebäude, in dem sie jahrzehntelang gearbeitet hat

Rosi Kaufmann wurde in einem Entbindungsheim in Schlesien geboren, wohin ihre hochschwangere Mutter verbracht worden war um den Bombenangriffen in Berlin zu entgehen. Ihre Eltern gelangten mit ihrem 3 Monate alten Baby auf der Flucht aus Schlesien nach Selb, wo die Mutter Arbeit bei Rosenthal fand. Dort begann auch Rosi eine Ausbildung zur Porzellanmalerin. Sie wurde zur führenden Malerin für die berühmten Weihnachtsteller. Nach über 40 Jahren bei Rosenthal ging sie vorzeitig in den Ruhestand.

Rainer Schwarzmeier

Fotografiert auf dem Gelände des ehemaligen Hutschenreuther Werk A

Meine Familie war über Generationen eng mit der Porzellanindustrie verbunden. Mein Vater arbeitete über 40 Jahre bei Hutschenreuther als Oberdreher und Obermeister im Werk A. Auch beide Großväter waren in der Branche tätig – bei Krautheim bzw. der Porzellanfabrik Schönwald. Wie viele Angehörige unserer Familie fanden auch die Geschwister meiner Eltern bei Hutschenreuther, Rosenthal, Heinrich und anderen Firmen Arbeit und Auskommen.

Nach meinem Studium der „Nichtmetallisch-anorganischen Werkstofftechnik“ in Nürnberg begann ich 1983 als Betriebsassistent bei der Porzellanfabrik Schönwald. Bereits 1984 wechselte ich nach Selb in das Werk A der Hutschenreuther AG, wo ich bis 1993 als Betriebsleiter im Weiß- und Brennbetrieb tätig war.

Es folgten Aufgaben als Vorstandsassistent im Projekt „Hutschenreuther 2000“ sowie leitende Funktionen bei Bauscher in Weiden und der Porzellanfabrik Schönwald. 2008 wurde ich zum Vorstand für Produktion, später zusätzlich für Logistik der BHS tabletop AG berufen.

Nach insgesamt 39 Jahren in der Porzellanindustrie, davon 14 Jahre als Vorstand, ging ich Ende 2021 in den Ruhestand.

Eigentlich wollte ich ursprünglich in die Automobilindustrie. Doch ich habe meinen Weg in der Porzellanbranche nie bereut. Die Branche war nie einfach, aber das Produkt war und ist etwas Besonderes – genauso wie die Menschen, die dafür gearbeitet haben. Die heutige Entwicklung schmerzt mich persönlich sehr.

Hildegard Baumgärtel

Fotografiert in ihrer Wohnung in Selb

Begann im Jahr 1966 beim Porzellanhersteller Rosenthal in Selb zu arbeiten und blieb dort 37 Jahre lang tätig. Sie war in der Zentrale, der Registratur, im Orderbüro, in der Reklamationsabteilung, imKundenservice und im Verkauf tätig. Dann der der Wechsel zur AWO Selb. Jetzt ist sie im ehrenamtlich in der Diakonie engagiert.

Sevgi Soruklu

Fotografiert vor dem Regenbogenhaus in Selb

Die Mutter von Sevgi kam 1969 aus Samsun am Schwarzen Meer nach Selb, wie so viele Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter in dieser Zeit. Arbeitskräfte wurden in der Porzellanbranche dringend gebraucht. 1972 kam auch der Vater nach Absolvierung des Militärdienstes nach Selb. Sevgi wurde 1973 in Selb geboren. Mit 15 begann sie, wie auch ihre Eltern, bei Rosenthal zu arbeiten und war in nahezu allen Stationen der Porzellanproduktion tätig. Giessen, Schleifen, Dekoration bis hin zur Bearbeitung von Spezialteilen wie der schwarzen „Gropius“ Kanne. Nach über 30 Jahren wechselte sie und ging in die Gastronomie, in das Restaurant ihres Mannes.

Michael Kant

Fotografiert in seinem Showroom in Schönwald

Michael Kant, geboren 1967 in Selb, verbindet traditionelles Porzellanhandwerk mit modernem Design und unternehmerischem Weitblick. Seine berufliche Laufbahn begann bereits im Alter von 16 Jahren bei Rosenthal am Rothbühl, wo er eine Ausbildung zum Porzellanmaler absolvierte. Anschließend vertiefte er sein gestalterisches und fachliches Wissen an der Porzellanfachschule in den Bereichen Dekor- und Formentechnik.

Nach erfolgreichem Abschluss wechselte er in das Designstudio von Rosenthal, wo er seine kreative Handschrift weiterentwickelte und wertvolle Erfahrungen im professionellen Produktdesign sammelte.

Seit mehr als 25 Jahren ist Michael Kant selbstständig und Geschäftsführer der Paint Box GmbH mit Sitz in Schönwald. Gemeinsam mit seiner Tochter Sophie gründete er im Jahr 2020 die Marke Goldscherben. Die Marke steht für die Verbindung von modernem Design, fairer Herstellung und langlebiger Qualität – Produkte, die nicht nur ästhetisch überzeugen, sondern sich auch gut anfühlen.

Was während der Pandemie als kleines regionales Herzensprojekt begann, hat sich inzwischen zu einer europaweit vertriebenen Marke entwickelt, deren Produkte heute in zahlreichen Concept Stores und Onlineshops erhältlich sind.

Wolfgang Walbert

Wolfgang Walbert, geboren 1966 in Selb, aufgewachsen im Zentrum der deutschen Porzella-produktion, führte ihn sein Weg früh in die Fabrikarbeit – erste Erfahrungen sammelte er als Ferienarbeiter bei Schönwald Porzellan. Die monotone Arbeit am Fließband wurde für ihn zur prägenden Erfahrung und zugleich zum Ausgangspunkt eines bewussten Interesses an Gestaltung und handwerklicher Qualität.

Von 1983 bis 1986 absolvierte Walbert seine Ausbildung zum Kerammaler bei Heinrich Porzellan. Prägende Lehrer und Wegbegleiter waren unter anderem Adolf Mötsch und Wolfgang Baumgärtel. Anschließend besuchte er die Staatliche Fachschule für Porzellan in Selb, die er 1989 als staatlich geprüfter Dekorentwerfer abschloss.

Ab 1991 arbeitete Wolfgang Walbert als Dekorentwerfer in den verschiedenen Nachfolgeunternehmen der traditionsreichen Arzberg- und Schirnding-Porzellanbetriebe.

Er erlebte die tiefgreifenden Veränderungen der deutschen Porzellanindustrie aus unmittelbarer Nähe – von Firmenfusionen und wechselnden Eigentümern bis hin zur Insolvenzder Arzberg Porzellan GmbH im Jahr 2013.

Seit 2013 ist er bei Seltmann Weiden tätig, zunächst als Dekorentwerfer, später als Leiter des keramischen Siebdrucks.

Sandra Luther

Fotografiert an ihrem Arbeitsplatz bei Wagner & Apel Porzellan in Lippelsdorf /Th.

Geb. 1971, gehört Sandra seit 2009 fest zur Familie von Wagner & Apel Porzellan – und ist dort längst weit mehr als nur eine Mitarbeiterin. Als erfahrene Schwäne-Formerin bringt Sandra Luther täglich ihr außergewöhnliches handwerkliches Können, ihre Präzision und ihre große Leidenschaft für das Porzellanhandwerk ein. Selbst schwierigste Arbeiten führt sie mit beeindruckender Ruhe, Sorgfalt und einem sicheren Blick für jedes Detail aus.

Ihr beruflicher Weg führte sie zuvor durch namhafte Porzellanmanufakturen wie Wallendorfer Porzellan, Scheidig Gräfenthal sowie Reichenbach Porzellan. Dort sammelte sie über viele Jahre wertvolle Erfahrungen, die sie heute mit großem Können und viel Herzblut in ihre Arbeit einfließen lässt.

Was Sandra jedoch besonders auszeichnet, ist nicht nur ihre fachliche Stärke, sondern vor allem ihre Verlässlichkeit und ihre Hilfsbereitschaft. Auf sie ist jederzeit Verlass. Sie fehlt nie, denkt mit, packt überall tatkräftig an und unterstützt ihr Team mit einer Selbstverständlichkeit, die heute alles andere als gewöhnlich ist.

Mit ihrer bodenständigen Art, ihrer Erfahrung und ihrem unermüdlichen Einsatz ist Sandra Luther aus dem Arbeitsalltag von Wagner & Apel nicht mehr wegzudenken. Sie steht für echte Handwerkskunst, Loyalität und Teamgeist – Werte, die das Unternehmen seit jeher prägen.

Evi Vetter

Fotografiert an ihrem Arbeitsplatz bei Wagner & Apel Porzellan in Lippelsdorf /Th.

Von erfahrenen Mitarbeitern von Wagner & Apel ausgebildet, fand Evi Vetter Jörg. 1962, bereits früh ihren Platz in der traditionsreichen Porzellanmanufaktur. Seit 1986 ist sie mit Leidenschaft, handwerklichem Können und Hingabe als Formerin im Familienunternehmen tätig.

Über Jahrzehnte hinweg hat sie ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihr feines Gespür für das Handwerk in zahllose Arbeitsprozesse eingebracht. Mit Sorgfalt und viel Liebe zum Detail trägt sie jeden Tag dazu bei, die hohe Qualität und den besonderen Charakter der Arbeiten von Wagner & Apel zu bewahren.

Doch nicht nur ihr fachliches Können macht sie zu einer geschätzten Mitarbeiterin. Durch ihre Loyalität, ihre Verlässlichkeit und ihre herzliche Art ist sie für Kollegen und Unternehmensleitung gleichermaßen eine unverzichtbare Stütze geworden. Ihr engagierter Einsatz, ihre tiefe Verbundenheit mit dem Unternehmen und ihre jahrzehntelange Treue prägen das familiäre Miteinander bis heute.

Evi Vetter steht beispielhaft für die Menschen, die mit ihrer täglichen Arbeit, ihrer Erfahrung und ihrem persönlichen Einsatz die Tradition und den Erfolg von Wagner & Apel über viele Jahre hinweg mitgetragen und mitgestaltet haben.

Antonio Montero Santos

Fotografiert vor der Schumann Villa in Arzberg

Antonio Montero Santos wurde am 21. Juli 1947 in Guillarei Reg. Galicia / Spanien, geboren und kam 1965 kam im Alter von 19 Jahren als Gastarbeiter nach Arzberg, um sich fern seiner Heimat eine neue Zukunft aufzubauen.

Viele Jahre arbeitete er als Tunnelofenarbeiter bei der Porzellanfabrik Carl Schumann. Die körperlich schwere Arbeit verlangte großen Einsatz und Durchhaltevermögen.

Nach der Schließung der Fabrik im Jahr 1996 begann für ihn noch einmal ein neuer Abschnitt: Weitere 16 Jahre war er bei König Porzellan in Thiersheim beschäftigt, bis er in den Ruhestand ging.

Sein Lebensweg steht beispielhaft für viele Gastarbeiter, die mit Mut, Fleiß und Ausdauer ihre Heimat verließen und die Region über Jahrzehnte mit ihrer Arbeit geprägt haben.

Maria Esther López Fernandez

Fotografiert vor dem Gartentor der Schumann Villa in Arzberg

Maria Esther López Fernandez, geboren am 1. April 1945 in Lagoa, Santa Cruz Valle de Oro, Spanien, kam im Jahr 1964 mit gerade einmal 19 Jahren nach Arzberg.

Eigentlich wollte sie nur für ein Jahr bleiben. Wie viele junge Gastarbeiterinnen suchte sie Arbeit und eine Perspektive – fernab ihrer Heimat in Galicien.

Doch aus einem Jahr wurde ein ganzes Leben.

Mit Fleiß und Ausdauer arbeitete sie 27 Jahre lang bei der Porzellanfabrik Arzberg. Danach führte ihr Weg zur Porzellanfabrik Carl Schumann, wo sie bis zur Schließung als Henkelputzerin tätig war. Die Arbeit in den Porzellanfabriken war körperlich anstrengend und verlangte viel Geduld und Genauigkeit – doch Maria Esther meisterte diese Herausforderungen.Auch nach den Veränderungen in der Porzellanindustrie gab sie nicht auf. Einige Jahre arbeitete sie in der Gastronomie, bevor sie schließlich bei König Porzellan in Thiersheim ihre letzte berufliche Heimat fand, wo sie bis zu ihrer Rente tätig war.

Aus der jungen Frau, die einst nur vorübergehend bleiben wollte, wurde eine beeindruckende Persönlichkeit, die mit  ihrem Engagement und ihrer Lebensgeschichte die Region mitgeprägt hat.

Antonio und Maria Esther lernten sich in Arzberg kennen und lieben. Am 20. Dezember 1969 heirateten sie in Arzberg und bekamen drei Kinder: Maria Esther, Sandra und Antonio.
In Arzberg fanden sie eine neue Heimat. Sie integrierten sich, engagierten sich in vielfältiger Weise und lebten dort rund 47 Jahre.
Im Ruhestand pendeln sie nun zwischen Spanien und Deutschland – immer dort, wo ihre Kinder leben.
Die Begeisterung für Porzellan ist ihnen bis heute geblieben.

Werner Gossel

Fotografiert im Musterzimmer von Lindner Porzellan in Küps

Bei Lindner Porzellan in Küps  produzieren mehr als 30 Hände seit fast 100 Jahren „Weißes Gold“ .

Die Hände vom Seniorchef, Diplomkaufmann Werner Gossel, sind die ältesten – Jahrgang 1937. Seit fast 50 Jahren manövriert er die Firma Lindner Porzellan durch Höhen und Tiefen.

Heute, als Rentner, widmet er sich allem, was Freude macht. 2025 gestaltete er einen 17m² großen Weg aus Relief-Porzellan. 2026 entsteht unter anderem eine 3m hohe Wasser-Wand aus bemaltem Lindner Porzellan. Als Absolvent der Kunstakademie München ist er hier ganz in seinem Element. Seit 2023 veröffentlicht er jede Woche ein Video aus seinem Leben auf YouTube @lindnerporzellan.

Walter Gossel

Fotografiert im Weissbetrieb von Lindner Porzellan in Küps

Walter Alexander Gossel, Jahrgang 1978, glaubt an die Zukunftsfähigkeit der deutschen Porzellanindustrie, wenn alle zusammenhalten.

Nach dem Abitur absolvierte er eine Lehre bei Lindner Porzellan als Industrie- keramiker im Fachgebiet Formgebung. Nach erfolgreicher IHK-Ausbildereignungsprüfung qualifizierte er sich als staatlich geprüfter Keramtechniker an der Fachschule in Selb. Für seinen hervorragenden Schulabschluss erhielt er den Meisterpreis der Bayerischen Staatsregierung und erweiterte in München sein kaufmännisches Wissen zum Technischen Betriebswirt.

Danach leitete er bei Lindner Porzellan die „Weißfertigung“ und übernahm bald zusätzlich Verantwortung für den „Dekorbetrieb“.

Er engagiert sich für ein Netzwerk „Porzellantourismus“ und erwartet sich davon Win-win-Ergebnisse für alle.

Carl Peter Fricke

Fotografiert in seinem Atelier in Eschenbach

Prägend für mich war die Zeit an der Fachschule in Selb von 1978 bis 1982, wo ich das erste Mal das Glück hatte, in einer schulischen Umgebung zu sein die mich begeisterte. Dabei möchte ich vor allem Herrn Tuckermann hervorheben. Er war ein begnadeter Designer und Lehrer und ausschlaggebend für meinen weiteren beruflichen Weg. 

Von 1982 bis 1986 arbeitete ich als Design Modelleur bei der Winterling GmbH in Röslau. 

Anschließend war ich von 1986 bis 1989 als Automotive Design Modelleur in der Interieur-Designabteilung für PKW und Nutzfahrzeuge bei der Mercedes-Benz AG in Sindelfingen tätig.

1989 wechselte ich wieder zur Winterling AG nach Eschenbach, wo ich bis 1996 die Leitung des Bereichs Design Modeling übernahm.

Nach Umstrukturierung der Entwicklungsabteilung im Jahr 1996 war ich bis 1998 für die Marke Eschenbach im neu gegründeten Design Studio der Winterling AG in Röslau verantwortlich.

Nach der Insolvenz der Winterling AG ging ich zurück in die Automobilbranche und war freiberuflich in Design-Studios in ganz Europa und China bis 2020 tätig.

Unter anderem für Marken wie Porsche, VW, Audi, BYD und KIA

Liane Steidl

Fotografiert vor dem ehemaligen Musterhaus der Hutschenreuther AG in Selb

Geboren am 04.03.1960 in Thiersheim.

Mein Großvater Fritz Zettl wurde mit seiner Familie als Sudetendeutscher aus Böhmen vertrieben und fand in Rehau eine neue Heimat. Viele Jahre arbeitete er als Modelleur bei Zeh-Scherzer & Co. Mein Vater Peter Zettl wurde ebenfalls zum Modelleur ausgebildet und wechselte nach seiner Meisterausbildung an der Porzellan-Fachschule in Selb zur Hutschenreuther AG. Dort war er im Werk A in der Ludwigsmühle viele Jahre Abteilungsleiter und Meister im Modell- und Formenbau. Auch der Künstler Wolfgang Stefan absolvierte bei ihm seine Ausbildung.

Ich selbst begann 1975 im Werk A meine Ausbildung zur Kerammalerin. Nach mehreren Weiterbildungen übertrug mir die Hutschenreuther AG bereits 1983 die Leitung der Abteilung Malerei. Zu meinen Aufgaben gehörte vor allem die Ausbildung junger Kerammalerinnen und Kerammaler. Außerdem wurde ich regelmäßig von der IHK Bayreuth als Prüferin für Gesellenprüfungen berufen.

Nach 45 Jahren Betriebszugehörigkeit war auch ich 2020 von der großen Kündigungswelle bei BHS Tabletop betroffen.

Arno Bareuther

Fotografiert vor dem ehemaligen Direktionsgebäude der Hutschenreuther AG in Selb

Die Verbindung zum Porzellan prägt meine Familie seit Generationen.

Schon der Urgroßvater Franz Hanika arbeitete ab 1889 und für mehr als 25 Jahre als einer der ersten Porzellanmaler bei Rosenthal

Nach Ausbildung und Studium der Betriebswirtschaftslehre begann ich 1979 bei Hutschenreuther und verantwortete später die Produktentwicklung mehrerer renommierter Marken. In dieser Zeit entstanden zahlreiche erfolgreiche Produkte und Kooperationen, unter anderem mit LEONARD Paris und Karl Lagerfeld/Chloé. Das absolute Highlight aber war das Porzellan Programm Maxim de Paris, das in enger Zusammenarbeit mit dem Modeschöpfer Pierre Cardin und seinem Kreativ-Team in fast dreijähriger Arbeit entstand. Es war in Gestaltung und Komplexität einmalig und eine große Herausforderung in der Herstellung. Diese Zeit war für mich prägend für meine  weitere Entwicklung mit hoher Affinität zu guter Gestaltung und Ästhetik.

1985 führte mich ein Managementprogramm der Europäischen Kommission nach Japan. Anschließend baute ich von Tokio aus die Märkte für Hutschenreuther in Japan und Asien auf.

Weitere Stationen waren die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen sowie die Gründung einer internationalen Handelsagentur und Unternehmensberatung mit Mandanten für bedeutende europäische Porzellanmanufakturen. Bis 2022 war ich für die Entwicklung asiatischer Märkte verschiedener Premiummarken verantwortlich, darunter Arzberg, Rosenthal, Hutschenreuther, Sambonet, Versace und Thomas.

Die Begeisterung für hochwertiges Porzellan, gutes Design und gelebte Tischkultur begleitet mich bis heute.

Robert Suk

Fotografiert vor dem ehemaligen Designstudio von Rosenthal in Selb

Robert Suk bewegt sich seit fast vier Jahrzehnten an der Schnittstelle von Design, Kultur und internationaler Markenwelt. Seine Arbeit steht für die Überzeugung, dass gutes Design Identität schafft, Emotionen weckt und bleibende Werte erzeugt.

Als Design Director der Rosenthal GmbH verantwortete er von 2002 bis 2024 die kreative Entwicklung aller Marken des Hauses, darunter Rosenthal Studio-Line, Versace Rosenthal und Thomas. Unter seiner Leitung entstanden internationale Kooperationen mit Marken wie Audi, Armani, Louis Vuitton, Lufthansa, Mercedes-Benz, Swarovski und Versace. Zudem arbeitete er mit renommierten Designer:innen und Architekt:innen wie Jasper Morrison, Patricia Urquiola, Bjarke Ingels, Ron Arad, Marcel Wanders und Zaha Hadid zusammen.

Designer:innen wie Konstantin Grcic, Stefan Diez, Sebastian Herkner und Saskia Diez begleite-te er früh auf ihrem Weg.

Seine Laufbahn führte ihn von Goebel über die KPM Berlin zur Rosenthal AG. Parallel engagierte er sich in Lehre und kulturellem Austausch – unter anderem an der Berlin University of the Arts, der Universität Kassel und der Tsinghua University.

Die Ausstellung ist zu sehen vom 11.6.2026 bis 11.9.2026 im Porzellanikon Selb

Der Filmbeitrag im BR zum Projekt 100 Hände machen Porzellan

Und zum Schluss noch zwei Hände. Und eine Geschichte. Meine.

Ich bin kein „echter“ Porzelliner. Und doch hat mich die Welt des Porzellans über viele Jahrzehnte begleitet – so intensiv, dass sie längst ein Teil meines eigenen Lebens geworden ist.

Seit Anfang der 1980er Jahre arbeite ich als Photograph, nicht nur, aber sehr viel für die Porzellanbranche. In dieser Zeit entstanden unzählige Aufnahmen: im Studio, an sorgfältig ausgewählten Orten wie Como, Berlin oder Prag, vor allem aber in den Fabriken selbst. Dort, wo Porzellan nicht nur entworfen, sondern Tag für Tag mit Erfahrung, Präzision und Hingabe geschaffen wurde.

Für mehr als 30 Porzellanmarken habe ich in den vergangenen 45 Jahren fotografiert und dabei Menschen kennengelernt, die ihre Arbeit nicht als Beruf verstanden, sondern als Selbstverständlichkeit. Menschen mit Haltung, Humor, Stolz und großer handwerklicher Erfahrung. Viele von ihnen begegneten mir über Jahre hinweg immer wieder. Manche nur für einen kurzen Moment. Doch jede dieser Begegnungen hat Spuren hinterlassen.

Diese Ausstellung ist deshalb auch ein persönlicher Rückblick. Auf Jahrzehnte gemeinsamer Arbeit, auf unzählige Gespräche, auf eine besondere Nähe zwischen Kamera und Mensch.

Vor allem aber ist sie ein Zeichen der Wertschätzung. Für die Menschen hinter dem Porzellan. Für ihre Geschichten.

Und für all das, was mit den Händen beginnt – und weit über das Sichtbare hinaus bleibt.

Wir danken den Unterstützern dieses Projektes:

Förderverein Porzellanikon Selb Hohenberg

Bürgerstiftung Junges Fichtelgebirge

Sparkasse Hochfranken

VR Bank Fichtelgebirge-Frankenwald